“Hexenzauber im Eifelnebel oder: Gebt den Kindern die Fantasie zurück!”

Wenn Sie einmal nach einem Marionettenspiel die leuchtenden Augen der Kinder und auch der “großen” Kinder sehen, wenn Sie die Begeisterung dieser Zuschauer erleben dann wird Ihnen schnell klar, dass da etwas Wunderbares geschehen ist. Uns als Puppenspieler ist es gelungen die kleinen und großen Zuschauer ins Reich der Fantasie zu entführen. Fernab von nöligem Gedudel, weit weg von nervösen Fernsehbildern, meilenweit entfernt von dämlichen Computerspielen ist auf der Bühne ein kleines Wunder geschehen. Leblose Materie aus Holz, Stoff, Farbe und Papiermaché wird durch den Puppenspieler lebendig, erzählt Geschichten zum Lachen und zum Weinen und hinterlässt bei Groß und Klein nachhaltige, tiefe Eindrücke.

Und dann kommt oft die Frage: Kann ich so was auch machen? Wie kann ich Figurentheater selber machen?

Und nun kommen die vielen Angebote der LAG und der RAǴen zum Tragen.

Hier sei nur ein Beispiel genannt, wie ich mit Kindern ab etwa acht Jahren Stabpuppen- sogenannte Marotten, baue.

Wir brauchen eine Gruppe begeisterungsfähiger Jungen und Mädchen, (manchmal auch nach Geschlecht getrennt) eine Idee, einen “Fachmann” und etwa ein Wochenende Zeit.

Die Kinder melden sich auf unser Angebot im Jahresprogramm an, die Idee ist vorgegeben:

“Hexenzauber im Eifelnebel” ja und der Fachmann, ja der bin ich. Seit mehr als 34 Jahren baue ich nun Marionetten und hier speziell Marotten.

Mit welchem Eifer die Kinder zu Beginn den Kopf ihrer Figur skizzieren ist schon erlebenswert und danach wird mit Zeitungspapier und Tapetenkleister herrlich modelliert, nach der Kaschur mit feinerem Papier kommt der Trockenvorgang- bei uns im Umluftofen- das klappt immer- anschließend das sanden und die Grundierung mit Wandfarbe und dann endlich darf bemalt werden. Das Einsetzen der Haare bedarf der Anleitung, aber es macht riesigen Spaß- Am Ende bekommt die Marotte ihr Kostüm, sprich das große fließende Tuch und schon kann das Spiel beginnen.

Die Hexen, Teufel und. Fabelwesen der Kinder werden von ihnen geliebt, denn sie sind Produkte ihrer Fantasie und wurden von ihnen selbständig geformt und regelrecht erschaffen.

Diese Phasen des eigenen Tuns sind für ein Heranwachsen von immenser Bedeutung. Unsere heutige, schnelllebige und “flache” Welt bedarf der Fantasie, braucht Förderer und Forderer der Talente und Fähigkeiten bei Kindern und Jugendliche weckt und letztendlich sinnvoll begleitet.

Mit dem Bau einer Puppe/Figur und dem vorsichtigen “lebendig machen” dieses Wesens wird eine tiefe Sehnsucht nach eigener Gestaltung und fantasievollem Spiel gestillt.

Ich erlebe nach Kursende fröhliche und auch ein wenig stolze Kinder und Jugendliche die sich selbst mit eingebracht haben und immer hervorragende Stabfiguren mit nach Hause nehmen.

Bruder Wolfgang Mauritz ofm Vors. der LAG Figurentheater NRW e.V.